Bevor wir Eltern wurden, hatten wir eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie wir das mit der Erziehung angehen wollten. Gleichberechtigt, partnerschaftlich, ohne starre Rollenbilder. Einfach als Team. Das war auch die Art und Weise, wie wir unsere Beziehung geführt hatten und weiter führen wollten. Schon vor der Elternschaft haben wir viel darüber gesprochen, welche Werte wir unserem Kind mitgeben wollen und wie wir uns die Erziehung vorstellen. Wir haben hinterfragt, welche Rollenbilder wir vielleicht unbewusst in uns tragen und wie wir vermeiden können, in traditionelle Muster zu rutschen. Doch ziemlich schnell haben wir gemerkt: Das ist gar nicht so einfach.
Plötzlich gab es diese unsichtbaren Erwartungen. Von uns selbst, von anderen. Diese Situationen, die sich irgendwie automatisch ergaben. Die Mama nimmt Elternzeit. Der Papa ist die ersten vier Wochen zuhause (aus denen später 5 Wochen wurden) und übernimmt dann nach einem Jahr die Eingewöhnung bei der Kita (oder Tagesmutter), damit Mama wieder arbeiten gehen kann. In Teilzeit. Dabei haben nicht nur emotionale Gründe oder irgendwelche Rollenbilder den Ausschlag gegeben. Nein, es war wirtschaftlich betrachtet, kurzfristig und langfristig die beste Lösung. Danach wollten wir die Partnermonate machen und Papa sollte seine Stelle bis zum 2. Geburtstag auf 80 Prozent reduzieren. Teilzeit in Elternzeit für beide. Spoiler: Hat nicht geklappt.
Und ehe wir uns versahen, rutschten wir in Muster, die wir eigentlich vermeiden wollten. Es war nicht so, dass einer von uns sich bewusst zurückgezogen oder mehr Verantwortung abgegeben hätte – es passierte einfach. Automatisch. Und genau das hat uns zum Nachdenken gebracht.
Anfangs sind wir in viele dieser Erfahrungen hineingefallen, ohne konkret darüber zu sprechen. Jeder hat einfach gemacht, oft aus der Situation heraus, und das hat viel Konfliktpotenzial geschaffen. Plötzlich war einer zuständig für bestimmte Dinge, ohne dass wir das bewusst entschieden hatten, und Erwartungen schlichen sich ein, die nie ausgesprochen wurden. Das führte dazu, dass wir uns manchmal unverstanden oder ungerecht behandelt fühlten – nicht, weil es jemand so wollte, sondern weil wir es nicht aktiv besprochen hatten.
Irgendwann kam der Punkt, bewusst Dinge zu hinterfragen. Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer denkt an den nächsten Arzttermin, oder daran, dass die Windeln langsam knapp werden? Wer bekommt mehr freie Zeit für sich, wer trägt mehr vom Mental Load? Und vor allem: Wie schaffen wir es, das alles gerechter aufzuteilen?
Diese Fragen haben uns auf eine Reise geschickt – und genau diese Reise wollen wir hier teilen. Wir sind keine perfekten Eltern und schon gar nicht immer zu 100 % gleichberechtigt. Manchmal scheitern wir. Manchmal rutschen wir in alte Muster. Aber wir lernen ständig dazu, probieren neue Wege aus und finden Lösungen, die für uns funktionieren. Und vielleicht auch für andere.
Mit diesem Blog wollen wir offen und ehrlich über unsere Erfahrungen sprechen. Über das, was funktioniert, und das, was nicht. Wir wollen andere Eltern inspirieren, bestärken und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Equal Parenting ist kein fertiges Konzept, das man einfach umsetzt – es ist ein Prozess. Und wir freuen uns, wenn ihr uns auf diesem Weg begleitet.