Als wir uns auf das Abenteuer Elternschaft eingelassen haben, dachten wir, wir wären bestens vorbereitet. Wir wussten, wie wir die Aufgaben aufteilen, welche Erwartungen wir an uns selbst haben und wie wir verhindern, in klassische Rollenbilder zu rutschen. Schließlich hatten wir schon einige Jahre Beziehung hinter uns. Doch dann kam das echte Leben – und mit ihm einige Überraschungen. Hier sind fünf Dinge, die uns beim Versuch, Elternsein wirklich gleichberechtigt zu gestalten, bisher überrascht haben.
1. Es passiert schneller, als man denkt
Trotz aller Vorsätze sind wir am Anfang oft in klassische Muster gerutscht – ganz unbewusst. Eine übernimmt das Stillen (logisch), also auch das Beruhigen & ins Bett bringen. Der andere geht (früher oder später wieder) arbeiten, also „hilft“ er danach mit. Und schwupps, ohne dass wir es geplant hatten, war die Verteilung plötzlich doch nicht so ausgeglichen. Uns wurde erst mit der Zeit bewusst, wie leicht es passiert, dass sich Routinen einschleichen, die man nie bewusst so entschieden hat.
2. Gesellschaftliche Erwartungen sind zäh
Von außen (vor allem von der älteren Generation) kamen oft Sätze wie „Na, du hast es ja gut, dein Mann hilft dir so viel!“ „Ein Kind braucht seine Mama“ „Stillen ist das Beste für das Kind“ Es wurde oft impliziert, dass der Papa nur „mithilft“, statt dass wir gemeinsam verantwortlich sind. Plötzlich ist jeder um einen herum Experte, denn er oder sie hat selbst Kinder (auch wenn es schon 35 Jahre her ist, dass diese geboren wurden) oder kennt jemanden, der eines hat ;). „Das hat man früher nicht so gemacht.“ „Dem Kind ist kalt, zieh ihm Socken an!“, „Das hätte man früher nicht zugelassen.“ „Du willst nach einem Jahr wieder arbeiten gehen? Ist das nicht zu früh?“ Die Liste ist quasi endlos und es benötigt Kraft und Energie, durch den Dschungel der Erwartungen zu navigieren. Kraft und Energie, die gerade zu Beginn, oft fehlt (Hallo, Schlafmangel!).
Wir wussten, dass diese Rollenbilder existieren – und dass sie tief verankert sind. Wie schwer es manchmal ist, sein eigenes Ding zu machen (und herauszufinden, was dieses überhaupt ist!), hat uns überrascht.
3. Mental Load ist nicht nur ein Schlagwort
Es geht nicht nur darum, wer das Baby ins Bett bringt oder den Wäscheberg beseitigt. Es geht darum, wer daran denkt, dass die Windeln bald leer sind. Es geht darum, Angebote (20 Prozent auf Windeln, 5 Brei-Gläschen zum Preis von 4…) zu kennen und zu nutzen. Wer merkt, dass die Kleidung langsam zu klein wird. Wer im Kopf hat, welche Kleidung benötigt wird, in welcher Anzahl. Wer weiß, in welcher Schublade im Schrank was liegt (Die „guten“ Sachen & die Sachen die Flecken bekommen dürfen..wer von euch kennts?). Wer den Arzttermin vereinbart. Wer sich über altersgerechte Ernährung, Spielzeug, Erziehnungsmethoden informiert. Wer die Einkaufliste schreibt und die Mahlzeiten für die Familie plant. Wer weiß, was das Kind gerade gerne isst – und was nicht. Wer daran denkt, Kleidung und Spielzeug auszusortieren und überlegt, was damit passieren soll. Gleichberechtigt zu leben, bedeutet auch, diese unsichtbaren To-dos zu erkennen und neu aufzuteilen – und das war eine Herausforderung für uns.
4. Gleichberechtigung heißt nicht 50/50, sondern flexibel sein
Am Anfang dachten wir: „Jede Aufgabe wird geteilt.“ Aber das funktioniert im Alltag nicht immer. Manchmal ist einer einfach erschöpft, manche Aufgaben sind nicht teilbar (Stillen..), manchmal kommt ein Jobprojekt dazwischen. Aufgaben werden nicht von beiden als solche wahrgenommen oder es bestehen unterschiedliche Erwartungen (Schon wieder putzen???). Wir haben gelernt, dass es nicht um eine starre Aufteilung geht, sondern darum, dass es sich insgesamt für beide fair anfühlt – und dass wir regelmäßig reflektieren und nachjustieren.
5. Kommunikation ist noch wichtiger als wir dachten
Wir haben unterschätzt, wie oft wir uns wirklich bewusst absprechen müssen. Nicht nur über die To-dos des Tages, sondern über unser Gefühl dabei. Es gab Momente, in denen einer von uns sich überfordert und nicht gesehen fühlte, aber nichts gesagt hat – und der andere hat es nicht gemerkt. Daraus haben wir gelernt: Lieber zu oft miteinander reden als zu wenig.
Unsere Reise zum Equal Parenting ist noch lange nicht zu Ende. Wir machen Fehler, wir korrigieren uns, wir probieren aus. Aber was wir sicher wissen: Es lohnt sich. Nicht nur für uns, sondern auch für unser Kind.