Wiedereinstieg nach der Elternzeit: Ein Blick auf den Alltag als Teilzeit-Berufstätige und Mutter

Vor etwa 6 Wochen habe ich nach einem Jahr Elternzeit wieder angefangen zu arbeiten. Was ich mir zunächst recht einfach vorgestellt hatte (On-Boarding? Wozu ein On-Boarding? Ich kenne den Job doch!), entpuppte sich als eine größere Herausforderung als gedacht. Ich arbeite aktuell in Teilzeit, mit einer reduzierten Stundenzahl während des zweiten Lebensjahres meines Kindes. Meine Arbeit findet hauptsächlich im Home Office statt, was in vielerlei Hinsicht eine Erleichterung darstellt und es mir ermöglicht, überhaupt so viele Stunden zu arbeiten.

Der Arbeitsalltag: Ein Spagat zwischen Job und Familie

Der Tagesablauf ist ziemlich strukturiert, aber auch intensiv. Morgens bringe ich unser Kind zur Tagesmutter, was für uns beide nach einem Jahr zu Hause eine Umstellung ist. Zum Glück geht der Kleine gerne zur Tagesmutter -das ist eine große Erleichterung, zu wissen, dass er eine gute Zeit hat und gut versorgt ist, auch wenn er Zeit in Fremdbetreuung verbringt. Sobald ich zurück zuhause bin, beginne ich meine Arbeit – 6 Stunden, ohne Pause, um in diesen wenigen Stunden so produktiv wie möglich zu sein. Nach der Arbeit hole ich unser Kind ab und kümmere mich dann bis zum Feierabend um alles, was zu Hause ansteht und ermögliche meinem Sohn gemeinsame Spielzeit. Sobald mein Partner nach Hause kommt, übernimmt er die Betreuung unseres Kindes. Auch für ihn ist das anstrengend, keine Frage. Trotzdem bin ich froh, dass er seinen Teil übernimmt und nicht nur ich alleine den Spagat auf mich nehmen muss. Für ihn ist es außerdem die einzige Zeit des Tages, die er mit unserem Sohn verbringen kann, da er aus dem Haus geht bevor wir aufstehen und erst am Abend wieder aus dem Büro nach Hause zurückkehrt.

Um ehrlich zu sein: es gibt jeden Tag Momente, in denen ich mich hin- und hergerissen fühle zwischen der Arbeit und der Verantwortung als Mutter, meinen eigenen Bedürfnissen und unserer Partnerschaft. Ich weiß, mein Mann ist gerne Vater und er möchte sich gleichberechtigt um unser Kind kümmern, ich weiß aber z.B. auch, dass er erschöpft ist, wenn er von seiner Arbeit nach Hause kommt und es dann schwierig ist, sich auch noch um Kind und Care-Arbeit zu kümmern. Geht mir selbst ja auch nicht anders. Es fällt mir manchmal schwer, diese Last „abzugeben“ bzw. zu teilen, weil ich mich trotz Allem (Wunsch nach gleichberechtigter Elternschaft; bewusste Entscheidung gegen ein „traditionelles“ Rollenbild; das Wissen darum, wie tief bestimmte Gedankenmuster in uns allen verankert sind (Hallo, Patriarchat!),…) zwingen muss, mich nicht als Hauptverantwortliche für Kind und Haushalt zu betrachten und ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich das weder erfüllen kann noch will. Und dass, OBWOHL wir uns bewusst dafür entschieden haben, Gleichberechtigung zu leben.

Herausforderungen beim Wiedereinstieg: Ein schwierigerer Start als gedacht

Der Einstieg in den Job fiel mir zudem schwerer als erwartet. Neben der täglichen Doppelbelastung aus Beruf und Familie musste ich mich auch auf einige Veränderungen in der Firma einstellen, die den Wiedereinstieg noch herausfordernder machten. Während meiner Elternzeit gab es einige strukturelle Veränderungen, die meine Rückkehr schwieriger machten, als ursprünglich angenommen. Anfänglich dachte ich, dass der Übergang problemlos sein würde, doch ich musste feststellen, dass viele Dinge nicht mehr so sind wie vor der Elternzeit und ich nicht einfach dort weiter machen kann, wo ich aufgehört hatte. Die Welt hat sich weiter gedreht in meiner Abwesenheit: Neue Prozesse und Aufgaben verlangten viel Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, was in Kombination mit dem Zeitdruck und den Anforderungen zuhause eine zusätzliche Belastung darstellte. Auf der einen Seite fühlte es sich so an, als wäre ich „die Neue“, auf der anderen Seite war mir vieles sofort wieder präsent, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass ich mich immer fragen musste: ist es noch so, wie ich denke, oder muss ich meine Herangehensweise ändern, aufgrund der strukturellen Änderungen? Soll ich mich inhaltlich einbringen, oder werfe ich das Team zurück, weil ich von falschen Voraussetzungen ausgehe?

Inzwischen habe ich akzeptiert, dass der (Wieder-) Einstieg in den Job anders verlief, wie ich mir das vorgestellt hatte und ich versuche, jeden Tag das Beste daraus zu machen.

Das Gleichgewicht finden: Tipps für den Alltag als berufstätige Mutter

Trotz dieser Herausforderungen versuche ich, einige Dinge in meinem Alltag zu integrieren, die mir helfen, das Gleichgewicht zu halten:

  1. Struktur und Flexibilität: Ich habe gelernt, dass eine klare Struktur für mich und meine Familie wichtig ist. Aber gleichzeitig muss ich flexibel bleiben, um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden.
  2. Prioritäten setzen: Manche Aufgaben müssen einfach warten – sowohl zu Hause als auch im Job. Ich versuche, das Wichtigste zuerst zu erledigen und mir realistische Ziele zu setzen. Was kann liegen bleiben und wo reichen ev. 80 Prozent statt 100? Was ist das Wesentliche und wo muss ich meine Ansprüche und Vorstellungen zurückschrauben? Falls ihr Perfektionisten seid, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, auf Perfektion zu pfeifen und zu überlegen, Was. Euch. WIRKLICH. WICHTIG. ist.
  3. Kommunikation im Team: Der ständige Austausch mit meinem Partner ist entscheidend. Nur durch gute Kommunikation können wir uns gegenseitig unterstützen und sicherstellen, dass keiner von uns zu sehr überlastet wird.
  4. Selbstfürsorge: Auch wenn es schwer fällt, versuche ich, mir kleine Auszeiten zu nehmen. Es ist eine Priorität für mich, wieder Energie zu tanken und gut für mich zu sorgen. Mir hat dabei der Gedanke „Nur wenn es mir gut geht, geht es auch meinem Kind gut“ sehr geholfen. Natürlich ist auch für meinen Partner Selbstfürsorge wichtig – ich habe jedoch mit der Zeit gelernt, dass seine Selbstfürsorge anders aussehen kann als meine – und er selbst dafür verantwortlich ist, Zeit und Raum für seine eigene Selbstfürsorge zu finden. Klingt wie ein No-Brainer? Freut mich für dich, dass es sich für dich so anfühlt! Ich bin jedoch anders aufgewachsen, mit einer Mutter, die sich um ALLE Aspekte im Leben ihres Mannes gekümmert hat (und es btw immer noch tut) und es fällt mir manchmal immer noch schwer, mich davon abzugrenzen; besonders wenn es um weniger offensichtliche Dinge als Koffer packen oder Arzttermine vereinbaren geht.
  5. Tools für den Alltag: Ohne die richtigen Tools wäre ich aufgeschmissen! Im privaten Bereich nutzen mein Partner und ich die Kalender-App TimeTree, die uns hilft, unsere Termine und Aufgaben zu koordinieren. Diese App ermöglicht es uns, eigene und gemeinsame Aktivitäten und Termine zu planen und sorgt dafür, dass wir beide den Überblick behalten. Im beruflichen Kontext komme ich nicht ohne die Kalenderfunktion von Outlook und die Apps OneNote und To-Do aus. Diese Tools helfen mir, meine beruflichen Aufgaben zu organisieren, den Überblick zu behalten und nichts zu vergessen.

Trotz Herausforderungen: Ich bin zufrieden mit dem Wiedereinstieg

Trotz all der Herausforderungen, die der Wiedereinstieg mit sich brachte, bin ich zufrieden, wieder zu arbeiten. Es ist mir wichtig, nicht nur „Mama“ zu sein, sondern auch meine berufliche Identität zu leben. Die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln und mit Kollegen und Kolleginnen in Kontakt zu bleiben, erfüllt mich. Es tut gut, auch in einem professionellen Rahmen zu wachsen, meine Ideen und Erfahrungen einzubringen und mich mit „Erwachsenen-Dingen“ 🙂 zu beschäftigen.

Meine aktuelle Mischung aus Berufs- und Familienleben empfinde ich als bereichernd und ich bin froh, diesen „schnellen“ Schritt zurück ins Berufsleben gewagt zu haben.

Ausblick: Die Reise geht weiter

Ich habe noch viel zu lernen, aber ich bin stolz darauf, wie weit ich schon gekommen bin. Der Wiedereinstieg in den Job ist definitiv nicht immer einfach, aber es ist auch eine wertvolle Erfahrung, die mir hilft, mich weiterzuentwickeln – sowohl beruflich als auch als Mutter.

Es ist ein ständiger Balanceakt, aber durch die Team-Arbeit mit meinem Partner und durch die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, finde ich langsam meinen Rhythmus.

Ich bin gespannt, wie sich der Alltag weiterentwickeln wird und welche weiteren Herausforderungen auf uns warten. Denn auch wenn der Anfang schwierig war, bin ich zuversichtlich, dass wir als Familie immer besser zusammenwachsen werden – und dass es immer Lösungen gibt, wenn man sie aktiv sucht.

Fazit

Der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit ist oft nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Die Situation und die Herausforderungen sind komplett individuell und es ist essentiell, einen Plan zu haben. Es ist ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert – und nach meiner Erfarhrung oft eine Kombination aus Struktur, Flexibilität und Kommunikation.

Wie seid ihr mit dem Wiedereinstieg nach der Elternzeit umgegangen?

Welche Tipps könnt ihr teilen, um den Alltag als berufstätige Eltern zu meistern?

Ich würde mich freuen, eure Gedanken zu hören! Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren oder lasst uns wissen, wie ihr den Übergang zurück ins Berufsleben gemeistert habt!

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